BERLIN, Berliner Morgenpost

"Entdeckung aus Israel"

POULENC: Organ Concerto

BRUCKNER: Symphony No. 3 (1873 version)


Einen besseren, einen interessanteren Saisonabschluß konnten sich das Symphonische Orchester und sein Publikum kaum wünschen. Es wurde noch einmal viel eingesetzt - und gewonnen. Die Entdeckung des trotz Ferienanfanges noch gutbesuchten Konzertes in der Philharmonie hieß Meir Minsky. Der bei uns bislang gänzlich unbekannte Dirigent aus Israel überzeugte auf Anhieb mit einem ungewöhnlichen Programm. Wer käme schon auf die Idee, daß Francis Poulenc etwas mit Bruckner gemein haben könnte?

Das Programm stellte das Konzert für Orgel, Streichorchester und Pauken des geistreichen französischen Komponisten der 3. Symphonie Bruckners gegenüber. Und da zeigten sich in dem bizarren, archaischen Werk Poulencs einige Berührungslinien zu Bruckner. Edgar Krapp an der Orgel stellte virtuos die Klangextreme in kühnen Registerkombinationen heraus.

Weitere Überraschung: die Urfassung von Bruckners 3. Symphonie. Auf die Einzelheiten kann hier nicht eingegangen werden. Es handelt sich um die wohl noch nie in Berlin gespielte allererste Fassung ohne alle späteren Änderungen.
Die Unterschiede zu der sonst üblichen Version von 1879 sind gravierend, besonders im zweiten und vierten Satz, und schlagen eindeutig zugunsten der ersten Fassung zu Buche.

Mit einer großartigen Gesamtleistung bewältigte das SOB diese schwere Aufgabe unter seinem Gastdirigenten, der die Symphonie großbögig und in jeder Phase souverän gestaltete. Vor allem zeigte er dabei ein ganz ungezwungenes emotionelles Verhältnis zu Bruckner - für einen israelischen Dirigenten nicht gerade selbstverständlich.

W.Z.


BERLIN, Der Tagesspiegel

Das SOB in der Philharmonie

"Radikale Urfassung"

POULENC: Organ Concerto

BRUCKNER: Symphony No. 3 (1873 version)


"Ich habe die Symphonie neuerdings durchgesehen. Sehr brav, sehr brav, aufführen, aufführen, das muß aufgeführt werden." Mit diesen meisterlichen Worten - von Bruckner wiedergegeben in einem Brief an W. Tappert - lobte der von Bruckner als "Meister" verehrte Widmungsträger Richard Wagner bei seiner Ankunft auf dem Wiener Westbahnhof "vor einem großen Publiko" die ihm dedizierte 3. Symphonie Bruckners. Aus Wagners ihm von Bruckner abgerungenen Versprechungen, "alles" von ihm aufzuführen, wurde jedoch nie etwas - ein Zitat aus einem Brief Bruckners über seine Begegnung mit Wagner an Baron von Wolzogen veranschaulicht dieses Verhältnis in unfreiwilliger Komik: "Weil mich Hochselber bei der Hand hielt, ließ ich mich auf die Knie, hoch seine Hand an meinen Mund drückend und küssend und sagte: O Meister, ich bete Sie an!! Der Meister sagte hierauf: Nur ruhig - Bruckner - gute Nacht!!!"

Das SOB spielte die 3. Symphonie in der Fassung, wie sie 1873 auch Wagner vorlag und zu Bruckners Lebzeiten weder gedruckt wurde noch je erklang. Denn bei der von Bruckner selbst dirigierten Uraufführung 1877, während deren das Publikum einfach den Saal verließ, wurde die zweite Fassung gespielt und in unserer Zeit meistens die von Bruckner als endgültig betrachtete dritte Fassung von 1890, die die ganze Symphonie um ein Fünftel zusammenkürzte. Die Unterschiede zwischen den Fassungen sind freilich nicht nur äußerlicher Natur - Bruckner sprach einmal davon, die Neufassungen seien für heute, die Urfassungen für die Zukunft.

In der Tat wirkt die Urfassung der 3. Symphonie weitaus radikaler, eigenwilliger und unökonomischer als die späteren Fassungen. Manches, so etwa der später entfallene Schlußteil des langsamen Satzes mit seiner Polyrhythmik, stellt jedes Orchester vor große Probleme. Das SOB, das zum erstenmal von dem jungen Israeli Meir Minsky geleitet wurde, zeigte sich im Umgang mit dieser auch für das Orchester ungewohnten Partitur sehr engagiert und gelangte im verhältnismäßig intensiven Kontakt mit dem Dirigenten zu einer größtenteils sehr eindringlichen Interpretation ... . Die großen Proportionen des Werkes verstand Minsky durch eine überlegene Tempogestaltung klar darzustellen.[...]

Das Publikum in der Philharmonie beklatschte Poulenc und Krapp mit freundlich-heiterem Beifall, Bruckner, Minsky und das SOB mit lautstarken Ovationen.

Martin Wilkening


BERLIN, Der Tagesspiegel

Das SOB unter Meir Minsky

"Kraftvolles Dirigieren"

TSCHAIKOWSKY - Concerto for Violin in D Major, op. 35
BEETHOVEN - "Eroica"


Einmal mehr zeigte es sich, daß die Leistungsfähigkeit des Symphonischen Orchesters stark von der Qualität des jeweiligen Dirigenten abhängt. Unter der Leitung von Meir Minsky konnte es ein bisher selten gehörtes Niveau erreichen.

Auf dem Programm standen zwei populäre Werke: zunächst das Konzert für Violine und Orchester D-Dur Opus 35 von Peter Tschaikowsky. Solist war Heinz-Helmut Klinge, der sonst im SOB die Funktion des ersten Konzertmeisters innehat. [...] bewältigte er das früher für unspielbar gehaltene Werk technisch bravourös und wurde auch den interpretatorischen Anforderungen gerecht. Die derbe Volkstümlichkeit des Finales überzeugte ebenso wie der verträumte, Canzonetta genannte zweite Satz.

Schon im Solo-Konzert wurden die Qualitäten Meir Minskys offenbar, in der Symphonie Nr. 3 Es-Dur von Ludwig van Beethoven, genannt "Eroica", kamen sie voll zur Geltung. Minskys kraftvoller, athletischer Dirigierstil verlieh dem Werk Spannung und Lebendigkeit. Auch der zerbrochene Taktstock vermochte seinen Ausdruckswillen nicht zu bremsen. So wuchs der zweite Satz zur tragischen Größe an, sein dramatischer Gestus überschattete auch noch das Scherzo.

AR


BERLIN,Berliner Morgenpost

"Jubel um Meir Minskys Kunst"

TSCHAIKOWSKY: Concerto for Violin in D Major, op. 35
BEETHOVEN: "Eroica"


Tschaikowskys Violinkonzert ist ein Lieblingsstück von Virtuosen und Publikum. Heinz-Helmut Klinge, Konzertmeister des Symphonischen Orchesters Berlin, spielte es in der Philharmonie mit seinem Orchester. Er strich die furiosen Ecksätze mit energischem Temperament, [...] vertiefte sich [...] mit Hingabe und klanglicher Brillanz in die schlichte Schönheit der Canzonetta. Das Orchester unter Meir Minsky lieferte ein stabiles Fundament.

Der israelische Dirigent hatte vor vier Jahren sein äußerst erfolgreiches Berlin-Debüt gegeben. Er begeisterte jetzt mit Beethovens Eroica. Minsky gestaltete prägnant, ohne Manierismen und ging mit dem Orchester sicher um.

M. H.


BERLIN, Der Tagesspiegel

Kammermusiksaal: Solisten der Kammerphilharmonie Berlin

BARBER: "Adagio" für streichorchester

HARTMANN: "Concerto funebre" für violine und streichorchester

SHOSTAKOVICH: Chamber Symphony (String Quartet no. 8)

Zwei moderne Trauermusiken standen im Zentrum des Konzerts, das die Streichersolisten der Kammerphilharmonie Berlin im Kammermusiksaal der Philharmonie gaben: Karl Amadeus Hartmanns "Concerto funebre", 1939 anläßlich des Kriegsausbruchs geschrieben, und Dmitri Schostakowitschs achtes Streichquartett, das 1960 unter dem Eindruck des immer noch zerstörten Dresden zum "Gedenken an die Opfer von Krieg und Faschismus" entstanden ist.

Schostakowitschs Quartett spielten die Musiker unter der Leitung des polnischen Dirigenten Meir Minsky sehr ausdrucksstark: als ein Stück Bekenntnismusik. Die unerbittlichen Rhythmen des Allegro molto, der grotesk-unheimliche Walzer - all das wirkte in ihrer Interpretation sehr intensiv. Rudolf Barschais Streichorchesterfassung unterstrich dabei das kollektive Moment der Klage (die - wie wir heute wissen - zugleich eine Klage des Komponisten über sein eigenes Leid im Stalinismus ist) [...]

Gregor Schmitz-Stevens


BERLIN, Volksblatt

[...] Minsky, ein Mann von kräftiger Statur, dirigiert mit klaren, präzisen Bewegungen, die weitausholend werden können. Er verzettelt sich nicht, arbeitet im wesentlichen ökonomisch, erzeugt keine Unruhe oder Hektik bei den Musikern. Er weiß das Orchester anzufeuern und verfügt über einen ausgeprägten interpretatorischen Willen.




MÜNICH, Süddeutsche Zeitung

Münchner Philharmoniker:

Liszt: "Christus"

Eine seltene Aufführung

Das 19. Jahrhundert war eine oratorienarme Zeit; die Gattung erlebte ihre große Krise, von der sie sich nie wieder erholte. Während Felix Mendelssohn-Bartholdy im "Elias" und im "Paulus" versuchte, noch dem großen Vorbild Händel nachzueifern, wandte sich bereits Robert Schumann weltlichen Stoffen zu. Hector Berlioz experimentierte kühn mit Shakespeare und Goethe. César Franck mühte sich um klassizistische Formenklarheit, Hans Pfitzner um spätromantische Künstlerbekenntnisse.

Doch keiner hat die Grenzen des herkömmlichen Oratoriums so sehr gesprengt wie Franz Liszt. Sein "Christus" auf lateinische Texte aus der Bibel sowie der katholischen Liturgie ist nur vordergründig ein romantisches "Messias"-Pendant, und darin vermischen sich Gregorianik und strenge Palestrina-Chorsätze mit Wagnerscher "Tristan"-Chromatik, impressionistischen Ganzton-Skalen und stellenweise plakativer Programmsymphonik: Die Heiligen Drei Könige marschieren da im ungarisch kolorierten Klanggewand ein, Bariton und Chor loben in einem verhaltenen, von der Orgel nur sparsam fundierten A-cappella-Satz die Seligpreisungen aus, die Wogen des Sees Genezareth brausen und beruhigen sich in einem Tongemälde von fulminanter Wucht. Die Unterschiede zwischen Oratorium und Oper sind verwischt, Naivität paart sich mit Raffinement. Auch eine höchst originelle Vertonung des kompletten "Stabat Mater" findet sich im dreiteiligen Gefüge zwischen "Weihnachtsoratorium", "Nach Epiphania" und "Passion und Auferstehung".

Ein übersteigertes, manchmal überzogenes, extrem auf Wirkungen bedachtes und deshalb hochinteressantes Werk - komponiert in einem einzigartigen, kaum zusammengehaltenen Stil-Pluralismus. Franz Liszt wollte damit nichts Geringeres als die Wiedergeburt des katholischen Glaubens aus dem Geiste des Romantikers - ein beeindruc kendes, stellenweise visionär vorausweisendes Unternehmen, das nicht wenigen Komponisten als harmonischer Steinbruch diente, aber das dennoch zum Scheitern verurteilt wer: Die Amtskirche hielt immer Distanz zur geistlichen Musik des in seinem Lebenswandel höchst suspekten Abbé Liszt, seine "Legende von der Heiligen Elisabeth" und eben der "Christus" werden in Kirche und Konzertsaal kaum aufgeführt.

Um so verdienstvoller die Wiederbegegnung mit diesem außergewöhnlichen Chor-Koloß im Sonderkonzert der Philharmoniker. Am Pult im Herkulessaal stand der Israeli Meir Minsky, ein Dirigent von ruhiger Souveränität und mit überzeugender, stets klarer Schlagtechnik. Sicher geleitete er den blendend disponierten Philharmonischen Chor (Einstudierung: Joshard Daus) durch die Höhen und Tiefen dieser theatralischen, nur selten kontemplativen Musik. Strukturelle Durchsicht ging ihm über einschüchternde Tutti-Orgiastik. Eine zwischen Hirtenidyll und Glaubensemphase maßhaltende, nie überhitzte, dem Werk sehr dienliche Wiedergabe, mit einem ausgewogen besetzten, erst gegen Ende stärker geforderten Solisten-Quintett (Judith Beckmann, Hildegard Hartwig, Peter Straka, Sigmund Niemsgern und Richard Salter) und einem vorzüglich spielenden, in einigen Einsätzen etwas mauen Orchester. Das Publikum lauschte ergriffen: "Halleluja", ließ sich einer nach dem letzten "Amen" vernehmen, noch bevor der Beifall prasselte.

Manuel Brug


BASEL, Basler Zeitung

Basler Sinfoniekonzert:

"Schönklang und Esprit"

JOACHIM: Overture "Heinrich von Kleist" Op.13
CHOPIN: Piano Concerto. no. 2
BRAHMS: "Haydn Variations"
STRAUSS: "Till Eulenspiegel"


Als 20jähriger lernte Brahms den seinerzeit schon berühmten Geigenvirtuosen Joseph Joachim kennen. Es war der Beginn einer lebenslangen künstlerischen Zusammenarbeit, die sich nicht nur auf gemeinsame Konzertreisen erstreckte. Auch als Komponisten suchten beide sich gegenseitig voranzutreiben, tauschten brieflich ihre Studien aus und hatten Strafgelder für versäumte Sendungen vereinbart. Noch war nicht entschieden, wer der grössere Interpret, wer der grössere Komponist werden sollte. Reizvoll, einmal Werke beider an einem Abend zu hören; verdienstvoll der Einsatz des Dirigenten Meir Minsky, der an den Anfang seines Konzerts mit dem Radio-Sinfonieorchester Basel Joachims Ouvertüre "Heinrich v. Kleist" stellte. [...]

Doch welch Feuerwerk der Ausdrucksgegensätze entfachte Minsky dann in Strauss' "Till Eulenspiegel"! Keine einzige der suggestiven Vortragsbezeichnungen liess er sich entgehen und offenbarte die ganze Virtuosität seines Handwerks. Faszinierend dabei die Beredtheit seiner linken Hand: Zur Faust geballt, weich gewölbt, weit gespreizt, stösst er sie pfeilschnell voran, wütend nach unten, lässt sie entspannt fallen. Ein mit dem Orchester, das beweglich jede von ihm initiierte Ausdrucksschattierung umsetzte .[...]

Suzanne Rode


BASEL, Basellandschaftliche Zeitung
Minsky dirigierte Brahms und Beethoven

"Expressivität und Dramatik"

BEETHOVEN: Prometheus
BEETHOVEN: Triple Concerto
BRAHMS:
Symphony No. 1

Dirigent Meir Minsky wippt mit den Füssen, wiegt mit den Hüften, als wolle er tanzen, als ob es nicht wirklich darum ginge, ein Orchester zu führen. Blitzschnell wendet er sich jeweils der rechten oder der linken Seite seines Orchesters zu, mit grossen, ausholenden Gesten und trippelnden Füssen scheint die Dirigierbühne für seine Bewegungen zu klein. Meir Minsky dirigierte in der Reihe Basler Sinfoniekonzerte im Stadtcasino Basel das Radio Sinfonieorchester Basel. Es spielte Werke von Brahms und Beethoven. Als Solisten wirkte das Trio Ponti/Zimansky/Polasek.

Im Jahre 1949 verliess die Familie Minsky mit dem erst wenige Monate alten Meir die Stadt Lodz in Polen und emigrierte nach Israel. Dort studierte er Dirigieren und Komposition an der Rubin-Musikakademie in Jerusalem. Inzwischen ist er weltweit als Konzert- und Operndirigent tätig und lebt in New York.

Die Ouvertüre zum Ballett "Die Geschöpfe des Prometheus" op. 43 von Beethoven gibt ein erstes Zeugnis des Charakters des Dirigenten: Er ist ein künstlerischer Herkules mit strahlendem Lächeln. Was da auf der Bühne passiert, erklingt nicht einfach. Unter Minsky wird die Ouvertüre zum Feuerwerk. Er spart nicht, weder an grossem Gestus, noch an Gelegenheiten, energisch das Letzte aus den Musikern herauszuholen.

So auch beim Konzert für Klavier, Violine und Violoncello mit Orchester in C-Dur op. 56 von Ludwig van Beethoven, auch "Tripelkonzert" genannt. Von den Musikern werden wahre Kraftakte gefordert. Es scheint, als wolle Minsky zusammen mit Michael Ponti, Klavier, Robert Zimansky, Violine, und Jan Polasek, Violoncello, jegliches Mass-Halten verneinen. Beethovensche Dramatik und Pathos scheinen auf ihn ideal zugeschnitten zu sein.

Wie ein breiter, grosser Fluss, der sich durch unebenes Land seinen Weg bahnt, zeichnet der Dirigent dann die Sinfonie Nr. 1 in c-moll op. 68 von Brahms. Minsky versteht es, die Tragik und Dämonie, die Schwerflüssigkeit des Werkes herauszuarbeiten. Es ist, als würde er ein Monument meisseln, dessen Anblick atemlos macht. Da werden die Radio-Sinfoniker nicht geschont, Minsky unterzieht sie einem Härtetest, wenn es darum geht, der Brahmsschen Melodik, diesem grossen, verschachtelten Lied, seinen ureigenen Stempel aufzusetzen.
Musikalisches Verweilen gönnt Minsky dem Zuhörer beim "andante sostenuto". Inmitten grosser Klangwelt zähmt dieser Satz den Dirigenten, auch bei "un poco allegretto e grazioso", der ersten frei einsetzenden und melodisch geschlossenen Gestalt der ganzen Symphonie, suggeriert er für kurze Zeit Stille vor dem Sturm des Finales.

DGE



BASEL,Basler Zeitung
"Sinfoniekonzert mit Meir Minsky"

BEETHOVEN: Prometheus
BEETHOVEN: Triple Concerto
BRAHMS: Symphony No. 1


Aller guten Dinge sind drei in einem Standardprogramm, wie es das Radio-Sinfonieorchester Basel unter der Leitung von Meir Minsky am Freitag im Stadtcasino bot: mit Beethovens Prometheus-Ouvertüre op. 43 als Einspielstück und Brahms' Erster als gewichtigem sinfonischem Abschluss. Dazwischen wurde im dritten, konzertanten Werk zu dritt musiziert: Zu hören war das Trio Ponti/Zimansky/Polasek im Tripelkonzert für Klavier, Violine und Cello von Ludwig van Beethoven. In ihm klingt die gelöste kammermusikalische Musizierhaltung der "Sinfonie concertanti" des 18. Jahrhunderts deutlich nach, wie auch die aufsteigende Eröffnungsfigur noch einmal eine veritable "Mannheimer Rakete" vorstellt. Die allerdings hob eher gemütlich ab, wie überhaupt das Radio-Sinfonieorchester hier eher solid-routiniert begleitete und so die Leistung des Solisten-Trios gebührend in den Vordergrund treten liess. Dieses traf den Konversationston des Werkes in gewinnender Weise, wobei vor allem der Geiger Robert Zimansky durch Eleganz und schlanke, helle Tongebung und der Cellist Jan Polasek durch dramatische Attacke bestach. Michael Ponti war in der hier undankbaren Rolle des Pianisten kraftvoll, aber nicht immer deutlich präsent.

Ungleich gehaltvoller und gewichtiger ist da Brahms' erste Symphonie, und sie war es auch in der Interpretation durch das Orchester. Bei der glaubte man am deutlichsten an diesem Abend die Handschrift des Dirigenten herauszuhören, der den Klangkörper zu einer lebendig pulsierenden Gangart mit plastisch modellierten dynamischen Bögen anhielt. Phrasierungskunst zeigten da beispielhaft die beseelt musizierten Holzbläsersoli und das emphatisch ausgesungene Andante (mit intensiver Tongebung der ersten Violinen). Dabei hielt sich Minsky durchaus an die traditionelle Lesart, was die deutlich abgestuften, allerdings delikat ausgesteuerten Tempi betrifft, fasste etwa die Einleitung wie üblich mehr als schwerfälliges Maestoso denn als bewegtes "un poco sostenuto" auf. Aufs Ganze gesehen überwog der Eindruck einer effektvollen Brillanz und Vitalität. Die verstand selbst die sinfonische Wucht der dramatischen Raffungen durch deutlich gesetzte. Blechbläsersignale zu strukturieren und explosiv zu würzen, entfesselte in der Durchführung des Finales eine geradezu behexte Dramatik. Zu Recht durfte so Minsky mit dem jovialen Lächeln eines Showmasters begeisterten Applaus entgegennehmen.


BASEL, Nordschweiz - Basler Volksblatt

Basler Symphonieorchester

H. ELLER: 5 Pieces for String Orchestra (1953)
HAYDN: Cello Concerto in C Major
TCHAIKOVSKY: "Rococo Variations"
B. MARTINU: Symphony No. 5 (1946)

Soloist: Antonio Meneses


Das 1. Abonnementskonzert der AMG im grossen Saal des Casinos bot ein abwechslungsreiches, von der Klassik bis zur Moderne führendes Programm.

Auftakt des Abends war Heino Ellers (1887-1970) "Fünf Stücke für Streichorchester". Der hierzulande weniger bekannte Komponist stammt aus Estland, wo er als "Vater der estnischen modernen Musik" verehrt wird. Seine "Fünf Stücke" sind eine noble Streichermusik, bei der man die romantische Nähe zu Grieg und Sibelius spürt. Die tiefen Streicher boten einen gut tragenden Boden für die weitschwingenden, zügig voranschreitenden Kantilenen der Violinen.

In Bohuslav Martinous (1890-1959) "Sinfonie Nr. 5" (1946) konnte dann die grosse Besetzung des Sinfonie-Orchesters ihr ganzes Können zeigen. Diese Sinfonie ist ein breites, episches Werk mit festlicher, optimistischer Grundstimmung, in der immer wieder lichte Durtonalität aufscheint.

Der ursprünglich als Dirigent vorgesehene Neeme Järvi musste das Konzert aus gesundheitlichen Gründen absagen, doch fand die AMG sehr kurzfristig einen ausgezeichneten Ersatz, den auch in Basel nicht mehr unbekannten Meir Minsky. Mit sichtbarer Freude dirigierte der Maestro - in seinen manchmal zu üppigen Bewegungen und im Ausdruck unweigerlich an den jungen Leonard Bernstein erinnernd - dieses Opus mit expressiven, doch exakt pointierten Gesten.

Die Bläser zeigten eine grossartige Leistung, und in den vielen gruppensolistischen Episoden wurde auch die, in Martinus früheren Werken entwickelte, neobarocke Concerto-Adagio-Technik gut modelliert.

Das Sinfonieorchester war bei beiden Solo-Werken ein einfühlsamer, professioneller Begleiter, sicher gelenkt durch die frische, ausdrucksstarke Führung des Dirigenten, der sich Mühe gab, dem Gang des Solisten zu folgen.

bzc


BASEL, Basellandschaftliche Zeitung
Basler Symphonieorchester:

Eller / Haydn / Tschaikowsky / Martinu

Werke mit ausgeprägtem Charakter, ein williges Symphonieorchester Basel, aus diesen Grundzutaten schuf Maestro Meir Minsky ein opulentes musikalisches Diner. Nicht nur der Klang liess das Casino zum Bankettsaal werden, auch den Augen bot der Dirigent einiges.

Zu verlockend eben die fünf Stücke für Streicherorchester des Esten Heino Eller. Romantisch geben sie sich, lassen immer wieder ahnen, dass der Komponist sein Handwerk in Petersburg erlernte. Daher die Schwermut in den ersten Ecksätzen, darum die Intermezzi, die kaum formuliert, abrupt abgebrochen werden. Ein besinnliches Stück führt zum festlichen Finale, also ist alles Material vorhanden, eine schwelgerische Interpretation anzulegen.

Mit ausladenden Armbewegungen führte Meir Minsky, der ganz selbstverständlich Maestro geheissen wird, das Orchester durch die pathetischen Tutti, liess die Violinen mit einem Schwung des Handgelenkes sich noch etwas steigern, um sich dann mit kühnem Ausfallschritt auf die Celli zu stürzen. So liess er keinen Takt unbeachtet, keine Note, die nicht durch seine Hände ausgedeutet wurde.

Im selben Sinne liess er Bohuslav Martinous fünfte Symphonie erklingen: Einmal klingt sie gewaltig in Beethovenschen Dimensionen, dann erklang nur gerade eine solistische Einlage zarter Flöten, ganz hatte Minsky das Orchester in seinen Händern. So erlaubten die lyrischen Streicherstücke einen Blick in Tiefen der Gefühle, die fünfte Symphonie geriet zum runden Ganzen [...]


BERN, Berner Zeitung
Berner Symphonieorchester

"Begeisternder russischer Abend"

RACHMANINOFF: Piano Concerto No. 3
PROKOLIEV: Symphony No. 6


Ein selten gebotenes Programm begeisterte das Publikum im 8. Berner Abonnementskonzert. Gespielt wurden Rachmaninows drittes Klavierkonzert und Prokofiews sechste Sinfonie.

Meir Minsky, der die Leitung des Berner Symphonieorchesters innehatte, überzeugte mit einer auf gründliche Partiturkenntnisse abgestützten, temperamentvollen, aber jederzeit kontrollierten und ausgewogenen Deutung. Er brachte damit die recht heiklen Werke, die allzuleicht ins Plakative oder Virtuose abgleiten, zu voller Leuchtkraft zu bringen.

Minsky bevorzugte dabei die verhaltenen, ausgewogenen und abgestimmten Farben, und das Berner Symphonieorchester folgte ihm dabei zuverlässig. Prokofiews schwer durchschaubare Sinfonie erhielt so verständliche Konturen und sphärische Weite. Themen aus der russischen Folklore bleiben unaufdringlich erkennbar, das Geheimnis des enorm farbenreichen Werkes blieb gewahrt und bezaubernd vielschichtig in der Schwebe.[...]

Zu sagen bleibt schliesslich, dass zwischen Dirigent und Solist ein schönes Einvernehmen bestand, was sich auf das Berner Symphonieorchester übertrug und dem Abend Glanz und Schönheit verlieh.

Urs Eberhard



Schweriner Volkszeitung

"Meir Minsky beflügelte Staatskapelle"

HINDEMITH: Sinfonia Serena
PAGANINI: Violinkonzert D-Dur

KODALY: Hary-Janos Suite

Mit dem 5. Sinfoniekonzert der Mecklenburgischen Staatskapelle wurde dem Publikum ein außergewöhnliches Ereignis geboten. Es hat sich bestätigt, was die Enthusiasten von der Staatskapelle immer behaupten: Unter hervorragender Führung kann das Orchester auch hervorragend musizieren.

Am Pult stand der in Brüssel lebende israelische Vollblutdirigent Meir Minsky. Wie dieser mit seinem sprühenden Temperament die Kapelle inspirierte, war einfach erstaunlich. Genialität lotet immer die Grenzen des Machbaren aus. Dies demonstrierte Minsky im gestischen Bereich - von der heftigen Florettattacke mit dem Stab bis zur tänzerischen Pantomime ließ er kaum etwas aus. Das ganzkörperliche Engagement entfachte bei der Kapelle Glanzleistungen kultivierten Musizierens, bei Paul Hindemiths Sinfonia serena besonders hörbar gemacht. Trotz hoher musikalischer Vielfalt und Dichte dieses Werkes voll klassischer Heiterkeit gab es keine Ungereimtheiten, alles fügte sich zu einem Guß.

Der für die Konzertliteratur reservierte Mittelplatz im Programm wird anscheinend immer mehr zur Entwicklung des Problembewußtseins der Zuhörer genutzt. Nach dem Werk Hindemiths durfte man sich ein Violinkonzert anhören, dessen Solopartie von autarker Selbstgefälligkeit, untersetzt mit banalen Begleitpassagen des Orchesters, nur so strotzte. Paganinis Violinkonzert D-Dur ist ein prototypisches Beispiel für den sich im 19. Jahrhundert verselbständigenden Virtuosenstil.

Bei der Hary-Janos-Suite von Zoltan Kodály waren Orchester und Dirigent wieder in ihrem Element. Musikalischer Höhepunkt wurden die beiden "ungarischen" Sätze, der 3. Satz und der rassige Verbunko.

Dr. Reinhard Diekow


Schweriner Volkszeitung
Zum 8. Sinfoniekonzert der Staatskapelle

"Schicksalsmusik mit Glanz"

MOZART: Klavierkonzert in Es-Dur, "Jeunehomme"

MAHLER: Sinfonie no. 1

Die Mecklenburgische Staatskapelle beendete ihre Konzertsaison mit Mozarts "Jeunehomme"-Klavierkonzert in Es-Dur und Mahlers 1. Sinfonie. [...]

Das Orchester begleitete dynamisch abgewogen. Eine Mozartinterpretation, wie man sie gerne öfter hören würde.

Meir Minsky vermochte durch kompromißlose Konfliktgestaltung der "Schicksalssinfonie" Mahlers die Staatskapelle zu einer eindrucksvollen Höchstleistung zu führen. Der Schicksalsweg vollzog sich über den Wanderschritt eines fahrenden Gesellen, über eher betäubend wirkende tänzerische Dreierbewegungen des 2. Satzes, und wechselte dann in einen schleichenden, gedrückten Gestus, um in die Katastrophe des Finales zu münden, das durch einen disziplinierten Marschrhythmus bestimmt ist.

Das sehr bewegende und in seiner Aktualität aufrührende Werk endet in einem Untergang mit Glanz und Gloria durch strahlende Blechbläser. "Was ist das für eine Welt, welche solche Klänge und Gestalten als Widerbild auswirft!" schreibt Mahler an seinen Dirigenten Bruno Walter. Die Staatskapelle verabschiedete sich mit einer eindrucksvollen Schlußleistung, die auf weitere erlebnisreiche Konzerte in der nächsten Spielsaison hoffen läßt.

Dr. Reinhard Diekow


Ostthüringer Zeitung

"Meir Minsky dirigierte Erstfassung von Bruckners Dritter in Gera"

"Selbst die Pausen sind Musik"

HANDEL: Concerto for Organ

BRUCKNER: Sinfonie no. 3 ( 1873 version)


Dirigenten, die Bruckners Sinfonien aufführen wollen, stehen vor einem Dilemma. Zahlreiche seiner Werke sind in verschiedenen Fassungen überliefert. Eklatant ist dies bei der 3. Sinfonie: Gewöhnlich ist im Konzertsaal deren dritte Fassung von 1890 zu hören. Doch eigentlich ist die zweite Version die musikalisch gehaltvollere. Der israelische Dirigent Meir Minsky hat sich die Förderung dieser ersten Version auf die Fahnen geschrieben. Erstmals feierte er damit Erfolg in Berlin, nun leitete er Donnerstag Abend das Orchester des Theaters Altenburg-Gera in einem Gemeinschaftskonzert. Mit sicherer Hand wuchtet er die gigantischen Klangblöcke aufeinander, preßt das wilde Gebilde schließlich in ein überzeugendes dynamisches Konzept. Schier unendliche Crescendi führen dabei das Orchester an die Grenze der Leistungsfähigkeit. Im Bläserchoral erreicht das Blech so ungeahnte Fortissimo-Intensität, mit dem zarten Pianissimo zu Beginn des zweiten Satzes aber sind die Hörner überfordert. Was hier nur böswillige Puristen übelnehmen können, denn Minsky fordert das Ensemble wie selten ein Dirigent. Selbst die Pausen sind da Musik - voller Spannung, die sich etwa im traumhaft schön zusammengeschobenen Streicherklang am Ende des Adagios entlädt. Oder im Hauptthema, das der Dirigent mit übersinnlicher Langsamkeit angeht.

Händels Werke haben hingegen vor allem eine Vergangenheit. Von dieser versucht man sie seit langem schon zu befreien. Indem sie wieder so gespielt werden, wie sie einst gedacht waren. Derart fette Vibrati, wie sie mit Ausnahme der Konzertmeisterin nahezu alle Streicher vollführten, haben im Barock einfach nichts zu suchen. Beifall gab's dennoch genügend - für Martin Stephan, der sich als versierter Solist mit viel Sinn für abwechslungsreiche Klanggestaltung vorstellte.

Hagen Kunze


Osterländer Volkszeitung

Meir Minsky dirigierte Konzert von Landeskapelle Altenburg und Philharmonischem Orchester Gera

"Feinfühlige Bruckner-Interpretation"

HANDEL: Concerto for Organ

BRUCKNER: Sinfonie no. 3 ( 1873 version)


Das 3. Philharmonische Konzert am vergangenen Freitag stand zumindest hälftig im Zeichen der Geraer Orgeltage. Unter dem Dirigat des international recht erfolgreichen Meir Minsky musizierten die Altenburger Landeskapelle und das Philharmonische Orchester Gera. [...]

Den zweiten Konzertabschnitt beherrschte Anton Bruckner mit seiner "Sinfonie Nr. 3 d-Moll". Dieses einstündige ausladende Werk stellt in seiner Konzeption einen Markstein in der Entwicklung der Brucknerschen Sinfonik dar. Die Sinfonie hat den Komponisten über Jahrzehnte hinweg beschäftigt und liegt heute in drei Fassungen vor. Hier nun zeigte Meir Minsky die wahren Stärken. Mit großer Geste und weiten Bögen führte der Dirigent seine Musiker durch diese Komposition. Das Orchester folgte aufmerksam und feinfühlig den Intentionen seines Dirigenten.

Einen ganz besonderen Eindruck hinterließ der erste Satz der Sinfonie. Der große musikalische Atem und die stilistische Vielfalt, mit der Anton Bruckner hier zu Werke geht, inspirierte auch die Altenburg-Geraer Musiker zu einer sehr subtilen und ergreifenden Spielweise. Ausgewogen stellte der Dirigent die Orchestergruppen aufeinander ein und behielt das Heft der musikalischen Handlung stets sicher im Griff. Als die Gestik an manchen Stellen nicht mehr ausreichte, da setzte Meir Minsky so manch gutturalen Laut als Motivation für Musikerinnen und Musiker ein.

Das Altenburger Publikum zeigte sich begeistert und dankte dem Dirigenten und dem Orchester mit einem langanhaltenden Applaus.

Klaus-Jürgen Kamprad


Ruhr-Nachrichten
Westfälisches Sinfonieorchester:

"Beethoven Neunte von Minsky fantastisch interpretiert"

Kultureller Paukenschlag nach der Jahreswende
Wem der große Wurf gelungen, eines Freundes Freund zu sein, mische seinen Jubel ein.

Sie haben gehalten, was alle von ihre erwartet hatten: Die Aufführungen der Neunten Sinfonie von Ludwig van Beethoven setzten gleich im ersten Monat des noch jungen Jahres einschneidende kulturelle Akzente: Fast 13minütiger Beifall nach der ersten Aufführung am Mittwoch in der ausverkauften Stadthalle zeigen, wie begeisterungsfähig das Unnaer Publikum für derartige Konzerte ist. Alle, Dirigent Meir Minsky, das Westfälische Sinfonieorchester und die beiden Laienchöre des Musikvereins und der Philipp-Nikolai-Kantorei, erreichten Höchstform. Die Interpretation des 39jährigen Dirigenten dieses schon unzählige Male aufgeführten Werkes wird in der Erinnerung bleiben: Nie in Takten oder gar Motiven denkend, sondern immer auf der Suche nach der Gesamtheit des Werkes - das zeichnete sein Beethoven-Verständnis aus. Dabei suchte er nicht nach künstlichen Akzenten, die zum Kennzeichen "seiner" Auslegung hochstilisiert werden, sondern baute auf einem handwerklich ganz soliden Fundament die "Sinfonie der Sinfonien" auf. Trotz extrem großer thematischer Bögen, die er ständig aufs neue spannte, und fließender Übergänge (die allesamt hundertprozentig von einem im Vergleich zur Generalprobe nicht wiederzuerkennenden WSO umgesetzt wurden) lag das besonders an seinem Dirigat in der Feinstarbeit: Mit - sogar für die Zuhörer extrem gut verständlichem - Dirigat kostete er jede Nuance des Mammutwerkes aus, schöpfte aus dem klanglichen Farbspektrum, ohne je der in den ersten Takten festgelegten Grundfärbung untreu zu werden. So konzentriert er sich auf wiederkehrende Elemente in den vier Sätzen, brachte den überwältigenden Höhepunkt fantastisch zum Klingen. Die lyrischen Akzente im dritten Satz, das Zusammenspiel der Celli und Kontrabässe mit leichter Baß-Dominanz im Schlußsatz gerieten zu den auffälligsten Farbtupfern, wogegen der erste Satz von der Gesamtleistung her etwas abfiel. Spätestens aber vom Zeitpunkt des geheimnisvollen Fugato im zweiten Satz, das sogleich zum wild aufbrausenden Tumult wird, hatten WSO und Dirigent eine Sprache gefunden, hatte die Interpretation ihr Gesicht bekommen.

Kraftvoll erschallte die "Ode an die Freude", brillant legato dann der Vers "Freude schöner Götterfunken". Auch hier war im Vergleich zur Generalprobe noch einmal eine deutliche Steigerung der interpretatorischen Fähigkeiten der beiden Laienchöre zu erkennen. Problematisch war allerdings auch bei der Aufführung das rhythmische "Freude schöner Götterfunken" der Männerstimmen kurz vor Schluß.

Fulminant dann die Schlußsteigerung, bei der Minsky den Chor nicht mehr als eigenen Klangkörper, sondern nur noch als Bestandteil des Gesamtklanges versteht; die hymnische Begeisterung löste wohl bei manchen Konzertbesuchern eine Gänsehaut aus. [...]

ST


Saarbrücker Zeitung

"Meir Minsky dirigierte 7. Staatsorchesterkonzert"

HINDEMITH: "Mathis der Maler"

MOZART: Piano Concerto K 466

STRAUSS: "Till Eulenspiegel"

Wenn ein einspringender Gastdirigent das ursprünglich geplante Programm übernimmt, so verdient dies Anerkennung, weil die Gesamtkonzeption eines Zyklus erhalten bleibt. Meir Minsky, der das 7. Sinfonieorchester des Staatsorchesters leitete, brauchte die vorgesehene Spielfolge auch nicht zu bedauern, enthielt sie doch mit Hindemiths "Mathis"-Sinfonie und "Till Eulenspiegel" von Strauss zwei Werke, die für Dirigent und Orchester viele dankbare Aufgaben stellen.

Der 1949 in Polen geborene, in Israel und Italien ausgebildete, in New York lebende Minsky konnte im 1934 entstandenen "Mathis der Maler" von Paul Hindemith sein kraftvoll zupackendes Temperament, seine rhythmische Sicherheit und seinen gut entwickelten Klangsinn in einer spannungserfüllten Wiedergabe einsetzen. Zwischen der expressiven Gestik dieser durch Bilder des Isenheimer Altars von Matthias Grünewald angeregten Musik und den gelegentlich überbordenden kontrapunktischen Künsten des Komponisten hielt der Dirigent eine wohlausgewogene Mitte. Besonders plastisch gelang der 3. Satz ("Versuchung des Heiligen Antonius") in der Streicher-Deklamation und in der Wucht der Blechbläser beim "Alleluja"-Ausklang. Sehr schön geblasen wurden auch die Soli der Posaunen und Flöten im "Engelkonzert".

Draufgängerisch übermütig die Keckheiten dieser genialen Partitur hell beleuchtend interpretierte Meir Minsky "Till Eulenspiegels lustige Streiche" von Richard Strauss. Die Prallheit seines Musizierens, die Lust an Witz und Esprit der jung gebliebenen Schelmenweise überdeckte ein paar Schwächen der Aufführung. Das Orchester war insgesamt in guter Form, und die brillanten Soli bekamen viel Applaus. [...]

Albert-Peter Bitz


Westdeutsche Allgemeine

"Achtes Philharmonisches Konzert mit ausgezeichnetem Gastdirigenten"

Opernhaus im Tango-Rhythmus

MILHAUD: "Le boeuf sur le toit"
PIAZZOLLA: Concerto for Bandoneón
COPLAND: "El Salón México"
CHAVEZ: "Sinfonia India"

RODRIGUES: "Tango di Tango" (1991)
MARQUEZ: Danzon Nr. 2 (1993)

_______________________________________

Das Opernhaus im Tango-Rhythmus: Das achte Philharmonische Konzert stand ganz im Zeichen Südamerikas.

Was hat ein Ochse auf einem Dach zu suchen? Eigentlich nichts, möchte man meinen. Es ist auch lediglich der Titel eines brasilianischen Liedes, das unter anderen in Darius Milhauds ursprünglich als Filmmusik konzipiertem Stück "Le boeuf sur le toit" verarbeitet wird. Sehr schwungvoll interpretierte das Philharmonische Orchester unter der Leitung des für den erkrankten Leonid Grin eingesprungenen polnischen Dirigenten Meir Minsky, [...].

Prägend für die Musik ist die stark wirkende Rhythmik, die teilweise, wie etwa in Coplands "El Salón México", auch aggressiv wirkt. Für ein europäisches Orchester nicht übliches Schlagwerk verleiht ihr zusätzlich ein exotisches Flair.

Meir Minsky führte die Philharmoniker zu einem sehr präzisen und mitreißenden Spiel, konnte am Ende aufgrund seines engagierten und flüssigen Dirigates viele Bravo-Rufe für sich verbuchen. [...]

Das Konzert für Bandoneón, Streichorchester und Schlagwerk aus der Feder von Astor Piazzolla kommt dem Stil des barocken Concerto grosso nahe. In den Tutti-Stellen ging der zurückhaltende Ton des Instrumentes manchmal leider etwas unter. Homogen fügte sich der Solist in das Ensemble ein, zauberte im Mittelsatz eine lyrische träumerische Stimmung, mitreißend und stark rhythmisch geprägt der Finalsatz.

MLG


Westfälische Rundschau
8. Philharmonisches Konzert bot ein begeistert aufgenommenes Programm


"Südamerikas Klänge voller Heimweh und Temperament"

MILHAUD: "Le boeuf sur le toit"
PIAZZOLLA: Concerto for Bandoneón
COPLAND: "El Salón México"
CHAVEZ: "Sinfonia India"

RODRIGUES: "Tango di Tango" (1991)
MARQUEZ: Danzon Nr. 2 (1993)

Es zuckte den Besuchern in den Beinen. Im 8. Philharmonischen Konzert ließen sie sich von Rhythmus und Sentiment hinwegtragen in die faszinierende Welt der schillernden Musik Südamerikas.

Dazu gehört des Bandoneon. Dieses in Deutschland gebaute Instrument nahmen Emigranten nach Argentinien mit, machten es zum Instrument ihres Heimwehs und schließlich zum Instrument des Tangos.

Lothar Hensel ist ein weltweit gefragter Bandoneonist. Er spielte hier ein Konzert für Bandoneon, Streichorchester und Schlagzeug des argentinischen Tango-Königs Astor Piazzolla. Der "tango nuevo" des Argentiniers erlebt zurzeit in Europa einen wahren Boom - er mischt südamerikanische Folklore mit "klassischen" Techniken. Auch sein Bandoneonkonzert "Aconcagua" beruht auf dem Tango, virtuos und effektvoll eingebettet in den Stil eines barocken concerto grosso. Hensel ist ein Meister seines Instruments auf dem Konzertpodium und bot eine ungewöhnliche und außergewöhnliche Begegnung, für die er begeisterten Applaus erhielt.

Dazu gab es weiterhin ausschließlich Südamerikanisches, farbenkräftig, mit vitalem Schwung musiziert von Gastdirigent Meir Minsky und den sichtlich animierten, vom Sound und Flair mitgerissenen Philharmonikern: Milhauds freches Ballett "Le boeuf sur le toit" verarbeitet geschickt brasilianische Volksmusik, Aaron Copland führt in seinem "El Salon Mexico" in die Atmosphäre schriller, explosiver mexikanischer Musik. Indianische Riten, bis zur Ekstase "beschleunigt", vermittelt die "Sinfonia india" von Carlos Chávez. Und geradezu umwerfend in der Mischung von Gefühl, Farbe und Rhythmus rissen zum Schluß "Tango die Tango" von Robert Xavier Rodrigues und "Danzon Nr. 2" von Arturo Marquez hin.

ME


Der Landbote
"Verheissungsvolle Erstbegegnungen"

MOZART: "Paris" Symphony

MENDELSSOHN: Concerto for 2 Pianos in E major

SCHUBERT: Symphony no. 8 "Unfinished"

[...] Mit grossen, oft weit ausladenden Gesten gewann der Dirigent Meir Minsky dem Stadtorchester ein präzises und lebendiges Mozart-Spiel ab. Die Piano-Forte-Überraschungen, an denen schon die Pariser Gesellschaft des Ancien régime Gefallen gefunden hatte, kamen prompt, und der festliche Habitus der beiden Allegri wurde ebenso erwirkt wie Transparenz im feingliedrigen Fugato des Finale-Beginns. Die Wiedergabe des besinnlichen Andantino zeichnete sich durch sorgsame Deklamation und Schattierungen der Dynamik aus. Einzig das Verhältnis zwischen (dünnem) Streicher- und (prallem) Bläserklang liess da und dort einen Wunsch offen.

Schubert: Schluss - und Höhepunkt

Dass der in New York lebende Meir Minsky ein Dirigent von starkem Willen und herausfordernder Gestaltungskraft ist, war besonders nach der Pause zu erleben. Wie er die "Unvollendete" von Schubert ausgehorcht und frisch aufgearbeitet aufführte, wurde zum stärksten Erlebnis. Minsky dirigierte in überzeugender Verbindung von Kraft und Weichheit, von Spannung und Lösung, liess die Gegensätze von abgrundtiefem Schmerz und lichtvollen, tröstenden Gedanken abrupt aufeinanderprallen, und da ihm das Orchester mit beispielhafter Präsenz und Intensität folgte, erstand diese so oft verharmloste Musik in ihrer ganzen Grösse und Tiefe. Dafür dankten die Zuhörer, spürbar ergriffen, dem Gast wie dem Orchester.

Fred Sallenbach



Neue Zürcher Nachrichten
"Stark hervorgehobene Tempowechsel"

MOZART: "Paris" Symphony

MENDELSSOHN: Concerto for 2 Pianos in E major

SCHUBERT: Symphony no. 8 "Unfinished"

[...] Zu Beginn bekam man eine sehr direkte, energiegeladene Pariser Sinfonie zu hören; Grosszügigkeit in der Phrasierung, musikalischer Schwung zeichneten die Interpretation des ersten Satzes aus. Die bezeichnenden Akkorde zu Beginn des Werkes waren kräftig, beinahe wuchtig; der Gegensatz zum punktierten, absteigenden Thema der Violinen wurde so um so mehr hervorgehoben. Der zweite Satz, ein langsames Menuett, geriet hier sehr langsam, jedenfalls an der unteren Grenze des Tempos; sorgfältig hatte Minsky hier gearbeitet, genaues Ausmusizieren war ihm offenbar wichtig, wobei auch hier wieder ein voller Orchesterklang dominierte. Minsky ist kein Grübler und Mystiker, das merkte man hier deutlich, auch kein Tüftler, Direktheit zeichnet sein Musizieren aus.[...]

Begeisterung des Publikums kannte schon nach diesem ersten Werk des Abends beinahe keine Grenzen mehr, und gespannt erwartete man die weiteren Geschehniss. [...]

Schuberts "Unvollendete"

Schuberts "Unvollendete" stand am Schluss des langen Abends, man hörte eine sehr überzeugende, konzentrierte, das düstere Element heraushebende Interpretation. Das Tempo des ersten Satzes war sehr mässig (moderato), die Steigerungen unheimlich, die Linien und formalen Zusammenhänge sehr klar.

Der zweite Satz, wieder sehr mässig im Tempo, war hier mit seiner fast naiven Heiterkeit und Zuversicht ein besonders schöner Gegensatz; sauber und schön spielten die Bläser; Minsky war hier auch bemüht, die sehr reichen und ausdrucksvollen harmonischen Beziehungen, sozusagen ein Markenzeichen für den reifen Schubert, hervorzubringen. Der Applaus am Schluss war jedenfalls besonders lang, was in Winterthur keine Selbstverständlichkeit ist.

Beatrice Zbinden


Westdeutsche Allgemeine
Kremer und Maisky in Recklinghausen
Ein Meister-Duo

BRAHMS: Double Concerto

BRAHMS: Symphony no. 4

Soloist: Gideon KRAMER, Mischa MAISKY

Eine alte Tradition der Ruhrfestspiele wieder aufleben lassen. Früher fanden hier neben darstellender und bildender Kunst auch hochkarätige Sinfoniekonzerte statt. Nun engagierte die Recklinghäuser Kammermusikvereinigung im Rahmen der Israelischen Kulturtage den Geiger Gidon Kremer und den Cellisten Mischa Maisky für die Soloparts in Johannes Brahms' Doppelkonzert.

Ursprünglich hätte es das Tripelkonzert von Beethoven sein sollen. Am Flügel: Martha Argerich. Doch die als unberechenbar bekannte Meisterin ließ den Recklinghäuser Vertrag platzen. [...]

Das Westfälische Sinfonieorchester war sich der Verantwortung, diese beiden Virtuosen zu begleiten, wohl bewußt. Dies dürfte nicht zuletzt das Verdienst des tüchtigen jungen Dirigent Meir Minsky gewesen sein. Auch in der nachfolgenden 4. Sinfonie e-moll von Brahms, mit ihrer gewaltigen Passacaglia am Schluß ein finalgerichtetes Werk, bewies der aufstrebende Dirigent Sinn für musikdramaturgische Entwicklung und Umsetzen von Form. [...]

Joachim Ludewig



Schwarzwälder Bote
"Exzellentes Musikerlebnis mit Rheinischer Philharmonie"

Konzert, das Maßstäbe setzte

HAYDN: Symphony no. 73 "La Chasse"

SCHUMANN: Cello Concerto

HINDEMITH: "Die Harmonie der Welt"

Wer gedacht hatte, daß der Haydn zu Beginn so quasi zur "Einspielung", als "Lockerungsübung" gleichermaßen, musiziert werden würde, sah sich getäuscht. Auffallend das präzise Spiel der Streichergruppen, nichts dem Zufall überlassen. Hörenswert die Holzbläser und natürlich auch die Hörner im letzten Satz, dem ausgesprochenen "Jagd-Programmstück" mit dem bekannten Hörnerklang. Schließlich verdankt die Sinfonie ihren Titel ja gerade diesem Finalsatz! Was diese Haydn-Interpretation auszeichnete, war die klare, nie ins Sentimental-Pastorale abdriftende Ausformung. Besonders reizvoll etwa das anmutige, naive Thema des Andante musiziert echte "Volksmusik". Ein Haydn alles in allem, der frisch und lebendig, exakt im rhythmischen Zugriff und spannungsgeladen dargereicht wurde. Dank des engagierten Pultchefs Meir Minsky ein Haydn "ohne Zopf", der seine Wirkung nicht verfehlte. [...]

Nach der Pause dann Hindemiths selten gehörte Sinfonie "Die Harmonie der Welt" aus dem Jahre 1951, dem Dirigenten Paul Sacher und dem Baseler Kammerorchester gewidmet. Hindemith selbst hat diesem Spätwerk ein "Programm" zugrunde gelegt. Nach diesem stellen die drei Sätze "konzertmäßig verarbeitete Musikstücke aus einer Oper dar, die vom Leben und Wirken Johannes Keplers handeln, den ihn fördernden oder hindernden Zeitereignissen und dem Suchen nach der Harmonie, die unzweifelhaft das Universum regiert". Hindemith hat in dieser Sinfonie sein kompositorisches Schaffen, sein lebenslanges Ringen um musikalische Form, Tonalität und Ausdruck in äußerst knapper, eindringlicher Sprache zusammengefaßt. Hindemiths Stationen eines langen, mühevollen Weges, hin zu einer musikalischen Sprache jenseits aller "Richtungen", hin auf eine zutiefst im Menschlichen gegründete, zeitlose "Klassizität" haben hier einen unverwechselbaren Ausdruck gefunden.

Den mannigfachen Anforderungen dieser äußerst anspruchsvollen Partitur wurde der gewaltige Orchesterapparat aus Koblenz vollauf gerecht. Mit äußerster Konzentration und großem Engagement wurde musiziert, kraftvoll und mitreißend. Ein besonderes Lob den Blechbläsern, nicht zu vergessen aber auch das Holz, das die mannigfachen, reizvollen "kammermusikalischen" Aufgabenstellungen, etwa Flöte, Oboe, Fagott, mit Bravour meisterte. Spiritus rector: der zupackende, immer fordernde Pultchef Meir Minsky, ein Dirigent, dem gerade diese Hindemith-Partitur insgesamt auf den "Leib geschneidert" schien. Da bleibt nichts dem Zufall überlassen; er ist immer präsent, gibt Hilfestellung in der noch so unscheinbarsten Detailausformung. Ein Dirigent, der sein "Handwerk" versteht, der, wenn nötig, auf die große Gebärde verzichten kann, wenn dies die musikalische Ausformung verlangt. Der dann aber wieder im wahrsten Sinne des Wortes vor Temperament "explodieren" kann, seine Musiker mitreißt, sie zu Höchstleistungen herausfordert.

Ein Konzert alles in allem, das den Musikfreunden noch lange im Gedächtnis bleiben wird; ein Konzert, das Maßstäbe, gerade auch was die Programmgestaltung anlangt, gesetzt hat. [...]

Lorenz Husenbeth


Rhein-Zeitung
"Philharmonie mit Meir Minsky
Aufgeheizt"

HAYDN: Symphony no. 73 "La Chasse"

SCHUMANN: Cello Concerto

HINDEMITH: "Die Harmonie der Welt"

Vor Hindemith leeren sich - Anachronismus 1988 - die Reihen immer noch merklich. Wer seine Unaufgeschlossenheit demonstrierte, verpaßte beim Konzert des Staatsorchesters Rheinische Philharmonie mit dem Dirigenten Meir Minsky das Entscheidende: eine ungemein musikalische und eine ungemein aufgeheizte Auseinandersetzung mit Hindemiths Sinfonie "Harmonie der Welt".

Da holten sie denn, beim Anrechtskonzert des Koblenzer Musik-Instituts, zum großen Schlag aus, die Philharmoniker und ihr Gastdirigent: Man durfte nahezu alles vergessen, was man an Bedenken hat gegenüber dem Musikantenstil Hindemiths. Minsky gab der Musik drive, formte sie plastisch aus, mit sichtbarem Spaß an Klangexzessen; und selbst der altväterliche Schlußsatz türmte sich brillant auf. Diese Musik hatte Charakter.